Denkfehler 2: Reinraumtechnik oder Reinraum – wer kann helfen?

Denkfehler 2: Reinraumtechnik oder Reinraum – wer kann helfen?

Reinraum-Denkfehler-2

Man findet im Internet viele Anbieter, die sich als die „Reinraumexperten“ bezeichnen, die die „besten Reinräume“ anbieten und die Leistungen „für Ihren Reinraum“ anbieten. Das ist aber nicht das, was die Kunden erwarten. Sie brauchen ausschließlich ein funktionierendes Produkt hoher Qualität in einer hohen Gutausbeute bzw. einen funktionierenden Prozess, der diese Produkte hervorbringt.

Es gibt in anderen Branchen schon seit langem die Erkenntnis, den Kern der eigenen Angebote zu beschreiben. So offeriert ein Energieunternehmen keinen „Strom“, kein „Gas“ und keine „Fernwärme“ an, sondern genau das, was deren Kunden letztendlich erwarten – „Behaglichkeit“.

Warum bieten viele dieser Anbieter von Reinräumen und Reinraumtechnik nicht auch „Produktqualität“, Prozessreinheit“ oder auch „Gesundheit“ an?

Ich kann hier nur meine Meinung vertreten und die sagt mir: Weil man sich dann mit den Produkten und Prozessen seiner Kunden beschäftigen und auseinandersetzen muss. Es ist sehr selten, dass ich einen Branchenkollegen auf Fachtagungen der Medizintechnik, der Halbleiterindustrie, Sensorik, Kunststofftechnik und vielen anderen sehe. Das ist ein hoher Aufwand, den man anscheinend scheut. Sicherlich kann man nicht auf allen angebotenen Veranstaltungen vertreten sein. An dieser Stelle sich zu spezialisieren würde letztendlich auch bedeuten, sich in seinem eigenen Angebotsspektrum zu spezialisieren. Dann würden wir nicht so viele Anbieter von Reinraumtechnik haben, die in allen Branchen vertreten sind. Diese Mentalität, „wir können für alle Branchen Reinräume bauen“, erzeugt letztendlich den Zustand, dass der Kunde mit seinem Reinraum nach dessen Fertigstellung allein gelassen wird.

Lt. Aussage eines renommierten Planers wissen bei Reinraumprojekten >80% der Anbieter dieser Reinräume bis zum Schluss nicht, was darin produziert werden soll. Mag sein, dass diese Zahl etwas hoch gegriffen ist, doch schon 10% wären 10% zuviel.

Sollten Sie ein Projekt in der Reinraumtechnik planen, dann suchen Sie sich wirklich kompetente Unterstützung und nicht nur einen Lieferanten. Folgende Fragen sollten Sie sich beantworten lassen:

  • Welche Projekte bei welchen Kunden wurden erfolgreich abgearbeitet? Diese Projekte sollten aber nicht älter als 3 – 5 Jahre sein.
  • Kann man bei diesen Kunden einen verantwortlichen Mitarbeiter bzgl. einer Referenz anrufen?
  • Welches sind die Hauptkompetenzen des potentiellen Anbieters? In welchen Industriezweigen werden diese Kompetenzen eingesetzt? Passt dies zu meiner Aufgabenstellung?
  • Hat der potentielle Anbieter ein Grundwissen in meinen eigenen Technologien? Welche Fachtagungen werden besucht (nicht als Aussteller auf den begleitenden Ausstellungen, sondern als Fachbesucher auf dem jeweiligen Kongress)?
  • Wird im Gespräch mehr über den Reinraum, bzw. die Reinraumtechnik, oder über die Produkte und Prozesse des Anwenders gesprochen?
  • Ist der potentielle Lieferant bereit, seine eigenen Fertigungsmöglichkeiten und die wichtiger Zulieferer zu zeigen? Welche Zulieferer sind das?
  • Wie ist das Qualitätsmanagement des potentiellen Anbieters organisiert? Wie wird das das Qualitätsmanagement beim potentiellen Anbieter umgesetzt?

Erschienen in der Mikroproduktion 

Eine Übersicht unserer stetig wachsenden Beiträge zur Rubrik "Denkfehler der Reinraumtechnik" finden Sie hier: Reinraum Denkfehler

Topics: Denkfehler der Reinraumtechnik