Denkfehler 6: Die Herausforderungen eines Minienvironment-Projektes

Denkfehler 6: Die Herausforderungen eines Minienvironment-Projektes

Minienvironement Projekt

Hier zeigt sich auch eines der Grundprobleme der Minienvironment-Technologie. Meist sind Maschinen bzgl. ihres Einsatzfalls komplett fertig konstruiert und oft schon als Prototyp existent. An diesem Punkt stößt man in der Spezifikation des Endkunden auf den Punkt der Reinheit innerhalb der Maschine und sieht sich urplötzlich mit dem Thema „Minienvironment“ konfrontiert. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein Minienvironment zum Bestandteil der Maschine gehört. Diese Tatsache allerdings zeigt sich häufig sehr spät. Sehr oft passiert es, dass man bereits zum x-ten Mal an dieser Stelle stand und denselben Fehler immer und immer wieder macht, anstatt rechtzeitig die entsprechenden Wissensträger bereits in der Konstruktionsphase ins Boot zu holen. Dabei ist es unerheblich, ob die Wissensträger Mitarbeiter im eigenen Unternehmen sind oder externe Dienstleistungsunternehmen bzw. Berater.

Wenn es dann soweit ist, dass die Aufgabenstellung an eine dieser Personengruppen weitergeleitet wird, ist die Kompromißlösung bereits vorbestimmt. Es gibt dann keine Möglichkeit mehr, dass sich der Konstrukteur der Prozeßmaschine und der Konstrukteur des Minienvironments inhaltlich aufeinander zuarbeiten können und damit jeder Seite die Möglichkeit eingeräumt wird, seine Belange einzubringen.


Der meist gegangene Weg des nachträglichen Implementierens oder Adaptierens eines Minienvironments begrenzt dessen Spielräume sehr stark. Die besten Ideen und Gedanken zu einer optimalen Strömungsführung durch den Prozeßbereich oder die besten Ideen und Gedanken zum Plazieren eines Lüfter-Filter-Moduls werden durch Verbauungen, die nicht veränderbar sind, zunichte gemacht. Dann beginnt der Prozeß des „Reduzierens“. Die Größe der Lüfter-Filter-Module wird reduziert, die Luftwechsel werden reduziert, die Strömungsgeschwindigkeit der Luft durch den Prozeßraum wird reduziert, und am Ende steht ein Kompromiß, der sich nicht mehr auf die geforderten Spezifikationen bezieht, sondern ausschließlich auf das Vorhandensein reinraumtechnischer Komponenten. Zu guter Letzt wird dann auch der Acceptancetest aus dem Anforderungsprofil gestrichen, um damit ein unbefriedigendes Ergebnis nicht erst existent werden zu lassen. Clever.

Erschienen in der Mikroproduktion 

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Topics: Denkfehler der Reinraumtechnik