Denkfehler 5: In Reinräumen und Reinen Arbeitsbereichen muss die Luft von oben kommen

Denkfehler 5: In Reinräumen und Reinen Arbeitsbereichen muss die Luft von oben kommen

reine luft

In diesem Praxisbeispiel geht es um das Konzept eines Minienvironments, das entsprechend der bereits existierenden Maschine erstellt werden sollte. Neben der einzusetzenden Filtertechnik ist hier ein besonderes Augenmerk auf die Strömungsführung der Luft zu legen. Grundsätzlich sollte es so sein, dass die gefilterte „Erstluft“ das Produkt und den Prozessraum zu um- bzw. durchzuströmen hat und dann erst all die Maschinenelemente umströmen sollte, die Kontaminationen an die jeweilige Umgebung abgeben können.

Aus einer Aufgabenstellung heraus wurde ein Konzept für ein Minienvironment erarbeitet, das die Gegebenheiten der Prozessmaschine für die optimale Luftführung nutzt. Durch den Einsatz eines Granittisches und eines darauf befindlichen Granitportals kundenseitig konnte eine optimale Luftführung durch eine horizontale turbulenzarme Verdrängungsströmung realisiert werden. Es ergab sich ein relativ unverbauter freier Querschnitt, durch den die Luft eines Lüfter-Filter-Moduls den Prozessort überströmen konnte und die durch den Prozess emittierten Partikel in unkritische Bereiche abgeführt wurden. Alle prozessspezifischen Komponenten waren an dem Granitportal befestigt und kamen nur während einzelner Prozessschritte im Produktbereich zum Einsatz.

Eine vertikale Durchströmung wurde auf Grund der Verbauung mit den prozessspezifischen Komponenten als ungünstig betrachtet, da die Versperrung des Luftstroms so gravierend war, dass am Prozessort nicht ausreichend Reinstluft zum Schutz des Produktbereichs zur Verfügung stand. Außerdem hätten sich die prozessspezifischen Komponenten genau zwischen dem Filter des Lüfter-Filter-Moduls und dem Prozessort befunden, so dass dort freigesetzte Partikel direkt zum Produkt befördert werden konnten.

Bis dahin klingt alles weitestgehend logisch und problemlos realisierbar mit realistischem Ziel, am Prozessort „mindestens eine Reinheitsklasse ISO 5" zu erreichen. Das Projektteam hatte dem Konzept zugestimmt, der Geschäftsführer dieses Unternehmens lehnte es ab, „weil im Reinraum die Luft immer von oben kommen muss“. Eine horizontale Durchströmung wurde dort noch nicht in Betracht gezogen. Welches Ergebnis man dann erreichte, kann an dieser Stelle nicht gesagt werden, da die Realisierung einem anderen Dienstleister übertragen wurde, der die „Wünsche“ des Auftraggebers, ohne Fragen zu stellen, erfüllte.

Erschienen in der Mikroproduktion 

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Topics: Denkfehler der Reinraumtechnik