Denkfehler 8: Mit einer Luftdusche reinige ich die Reinraumkleidung

Denkfehler 8: Mit einer Luftdusche reinige ich die Reinraumkleidung

Reinraumdenkfehler-Luftdusche

Ein Reinraum ist nur ein Reinraum, wenn dieser ein ausgeklügeltes Schleusensystem besitzt. Das führt dazu, dass z. B. für Personenschleusen neben der Forderung nach Schleusen mit zwei gegenseitig verriegelbaren Schleusentüren auch sogenannte Luftduschen installiert werden.

Es existieren eine Reihe von Studien, die belegen, dass der Reinigungseffekt im niedrigen Partikelbereich 0,1 – 10 μm eher gering ist, aber mit Zunahme der Partikelgröße deutlich zunimmt. Es stellt sich dabei natürlich die Frage, wie große Partikel (30, 50, 100 µm) bei einer funktionierenden Logistik bzgl. Kleidungswechsel und Reinigung der Reinraumkleidung auf diese gelangen können, damit sie mit einem Luftstrom aus einem Düsensystem mit Luftgeschwindigkeiten von 15 – 20 m/s (teilweise bis zu 30 m/s) von der Reinraumkleidung abgelöst werden müssen. Auf Grund der Größenverteilung von Partikeln in der Luft und auf Oberflächen ist bekannt, dass die Anzahl der Partikel mit abnehmender Größe exponentiell zunimmt. Das würde heißen, dass die Anzahl der Partikel, die sich durch Luftduschen ablösen lässt, eher gering ist und dass besonders in den Partikelgrößenbereichen, die für eine Abreinigung interessant wären, der Effekt eher marginal ist. Trotzdem werden diese Luftduschen im großen Maßstab eingesetzt und durch Planer und Endkunden gefordert. Der Grund, dass an dieser Stelle investiert wird, liegt vordergründig darin begründet, dass man es schon immer so gemacht hat und hinterfragt nicht den Effekt dessen. Sicherlich gibt es auch Gründe, die den Einsatz von Luftduschen rechtfertigen. Einer ist der psychologische Effekt, der es einem Mitarbeiter durch die Luftdusche vermittelt, dass man einen sensiblen Bereich betritt und sein Verhalten diesem anpassen sollte.

Noch ein Wort zum psychologischen Aspekt von gegenseitig verriegelbaren Schleusentüren. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass in so einem Fall die Steuerung der Türen mit entsprechenden Totzeiten versehen sein muss, um nicht den sportlichen Ehrgeiz einzelner Mitarbeiter zu forcieren, beide Türen gleichzeitig öffnen zu können. Versieht man jedoch die Türen mit Kontakten, die wechselseitig durch eine rote/grüne Signallampe den Status der jeweiligen anderen Tür anzeigen, sollte dies bei geschultem Personal ausreichen, das gleichzeitige Öffnen beider Türen zu verhindern. Passiert es trotzdem, wird dieser Zustand (beide Türen geöffnet) durch eine Sirene allen im und vor dem Reinraum anwesenden Personen akustisch „mitgeteilt“. Man kann sich sicher sein, dass es demjenigen Kollegen kein zweites Mal passiert die rote Signallampe zu ignorieren.

Eine Übersicht unserer stetig wachsenden Beiträge zur Rubrik "Denkfehler der Reinraumtechnik" finden Sie hier: Reinraum Denkfehler

Topics: Denkfehler der Reinraumtechnik